Freitag, 21. März 2014

"Ich kann schon alles" - Interview zum Welt-Down-Syndrom-Tag

Bei Menschen mit Down-Syndrom liegt das 21. Chromosom dreifach vor – deshalb ist der 21.03. Welt-Down-Syndrom-Tag.

In Deutschland berät und informiert das Down-Syndrom Infocenter Eltern und Interessierte zum Down-Syndrom. Das Down-Syndrom Netzwerk Deutschland vernetzt die Eltern- und Selbsthilfegruppen bundesweit. In Leipzig gibt es das Downsyndrom Elternnetzwerk Leipzig für Eltern, die ein Kind mit Down-Syndrom bekommen haben und Kontakt zu anderen Eltern suchen. Die Gruppe trifft sich einmal monatlich in unserer Interdisziplinären Frühförderstelle.

Erik Köttgen ist 27 Jahre, arbeitet in einer Außengruppe der Lebenshilfe Werkstatt in der Mensa des Studentenwerks und hat Down-Syndrom. Zum Welt-Down-Syndrom-Tag spricht Herr Köttgen über …

Erik Köttgen
… Down-Syndrom

Manche haben Herzfehler, manche nicht. Wenn man Herzfehler hat, wenn das so schnell geht und stehenbleibt, da fällt man um. Und wenn man Kreislauf hat, zum Beispiel. Bei mir ist das anders, darum habe ich die Stufe 1 gekriegt. Ich mache immer Müll runterbringen, saubermachen, saugen, Bettenmachen, Staub wischen, das mache ich in meinem Zimmer alles. Und ich habe mein eigenes Geld. Darum habe ich mein eigenes Konto.

Würden Sie gerne etwas können, was Sie wegen des Down-Syndroms nicht können?

Ich kann schon alles.

… Dumme Reaktionen

Wenn ich z.B. was Dummes mache, dann sagen manche: Hallo, geht´s noch? Hast du ballaballa hier oben? Sowas in der Art. Manche hänseln hinterm Rücken. Ich kriege das nicht mit, die Anderen auch nicht, wenn die hinter dem Rücken hänseln. Und das möchte ich nicht und die Anderen wollen das auch nicht so. In der Schule haben manche mein Schulzeug hochgeschmissen, dann musste ich es immer runterholen. Ja, so ist das im Leben eben, dass manche auch Down-Syndrom haben. Ich habe keine Probleme. Ich finde das nicht schlimm.

… Ausbildung

Ich war in der Schule der einzige, der behindert war. Da waren auch alle normal gewesen. Ich habe bis zur neunten Klasse gemacht. Eigentlich bis zur achten, aber dann sagten meine Eltern: Mach bitte die neunte weiter. Und dann habe ich bis zur neunten weitergemacht. Und da bin ich danach rausgekommen und dann bin ich erstmal in die Werkstatt gekommen.
Dort habe ich Ausbildung gemacht, zwei Jahre. Erst war ich bei Heidi gewesen [Hauswirtschaft], dann habe ich gewechselt, erstmal zum Markus [Holz], dann zum Olaf [Metall], und dann war ich nochmal draußen, mit den Landwirtschaftlern, BMW-Gelände, einmal. Jetzt arbeite ich in der Mensa.
Macht auch Spaß dort. Ich komme jeden Mittwoch zum Trommeln in die Werkstatt. Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag bin ich in der Mensa am Elsterbecken, mit Eberhard zusammen.


Ist es stressig dort?

Stressig, und ich muss auch viel arbeiten. Wenn ich nicht schnell genug bin, sagen die: Na los, mach hin, zack zack – so ungefähr. Aber es macht auch Spaß dort.

… Hobbies

Ich spiele gerne Fußball. Ich möchte mal gerne in eine richtige Mannschaft, nicht sowas wie in der Werkstatt. Am besten möchte ich gerne mal bei Bayern München spielen. Ich möchte genauso sein, wie Manuel Neuer da im Tor steht und auch in der Mittelposition von den ganzen Spielern, von den ganzen Bayern da. Ich habe mir die ganzen Namen schon gemerkt, von den Fußballern, finde ich geil. Am besten finde ich diesen Schweinsteiger und auch Ribéry. Ribéry ist in einer anderen Mannschaft, Franck Ribéry. Der Franck Ribéry ist ein Franzose, der spielt bei Frankreich mit. Darum kommt er immer zu den Bayern und hilft den Bayern, Tore zu machen, damit die immer weiter kommen.

… Liebe

Ich behalte meine Anja. Ich flirte gerne manchmal mit anderen Frauen rum, aber meine Anja weiß das. Ich gehe nicht fremd. Ich halte meine Anja fest, ich lasse die nicht mehr los. Die ist auch so wie ich, ich habe das Down-Syndrom und meine Anja auch. Und darum möchte ich mit meiner Anja zusammen wohnen. In eine eigene Wohnung, aber nicht ins betreute Wohnen.

Die meisten, die in eine eigene Wohnung ziehen, gehen ja vorher ins Wohnheim.

Nein, das möchte ich nicht. Ich war einmal in der Erich-Zeigner-Allee, eine Woche. Der Daniel hing mir immer auf der Pelle und das möchte ich nicht.

Herr Köttgen, vielen Dank für das Interview.

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