Donnerstag, 27. Oktober 2011

"Monica und David"

Haben Sie schon davon gehört? Ein kleiner, aber sehr interessanter Dokumentarfilm über zwei Menschen mit Down-Syndrom, "Monica und David", die in den USA geheiratet haben.




Der Film ist in vielen deutschen Städten im Rahmen des von der Aktion Mensch geförderten Uebermut-Film-Festivals zu sehen. Gestern, am 26. Oktober, lief er hier in Leipzig, in der Kinobar im Prager Frühling .

Der Film ist sehr zu empfehlen. In sehr schönen Bildern zeigt er, wie es zwei Menschen mit Down-Syndrom schaffen, eine Partnerschaft für's Leben eingehen, was immer noch viel zu selten ist.

Interessant ist auch der Einblick in die Familien der beiden. Zu sehen, wie die Eltern sich für ihre Kinder engagieren, ihnen das Glück einer Partnerschaft ermöglichen, ihnen ein rauschendes Hochzeitsfest und alle Annehmlichkeiten eines - in ihrem Falle sogar - luxuriösen Lebens bieten.

Bewegt sieht der Zuschauer, wie glücklich und zufrieden Monica und David sind.

Im Laufe des Filmes erfährt der Zuschauer dann aber auch die Schattenseiten dieses scheinbar so schönen Lebens. Begonnen damit, dass Monica und David gemeinsam mit den Schwiegereltern in die Flitterwochen fahren. Dass sie zwar ein eigenes Appartment beziehen, aber dann doch von der Mutter zum Frühstück geweckt werden und alles vorgesetzt bekommen. Dass sie nicht alleine an den Strand können und keiner regelmäßigen Arbeit nachgehen (dürfen), aus Angst, dass man sie komisch angucken könne.

Sehr offen zeigt der Film, wie es u.a. die Überbehütung durch die Eltern ist, die die beiden daran hindert, auf eigenen Beinen zu stehen. Dass sie noch viel selbständiger sein könnten, wenn man es ihnen zutrauen würde und vor allem - wenn man es zuließe. Und dessen sind sich die Eltern auch bewußt und doch schaffen sie es nicht.

In einer der letzten Szenen erklärt Monicas Stiefvater, wie geschockt er davon war, als sich David fast ohne seine Hilfe Insulin gespritzt hatte. Das hätte er ihm niemals zugetraut.

Im Anschluß an die Vorstellung gab es eine Podiumsdiskussion, moderiert durch Nicole Kreppel vom Institut für Förderpädagogik. Teilnehmer des Podiums waren Sandra Voigt, Leiterin des Ambulant Betreuten Wohnes beim DRK in Geithain, Andre Klose und Jeannette Gauder, Bewohner der Villa am Palmengarten und seit 5 Jahren verlobt, und Amelie Mahlstedt, Mitarbeiterin bei der Lebenshilfe Leipzig und Mutter einer 3-jährigen Tochter mit Down-Syndrom.

Den Teilnehmern des Podiums hatte der Film sehr gut gefallen, vor allem wie gut er die schwierige Gratwanderung zwischen Schutz und Selbstbestimmung gezeigt habe, ohne jedoch eine klare Antwort darauf zu geben.

Frau Voigt und Frau Mahlstedt äußerten sich positiv über das bestehende System der Behindertenhilfe in Deutschland, das Menschen mit Behinderungen vielfältige Möglichkeiten gebe, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, sowohl durch stationäre als auch ambulante Betreuungsformen. Das sei auf jeden Fall einer engen Betreuung durch die Eltern vorzuziehen, die ihr ganzes Leben dem Kind widmeten, bzw. opferten, so wie die Eltern von Monica und David.

Andre Klose und Jeanette Gauder berichteten von ihren Erfahrungen im Zusammenleben im Wohnheim, von ihrem gemeinsamem Zimmer. Davon, wie schwer es den Eltern gefallen sei, sie ausziehen zu lassen und wie gut es ihnen im Wohnheim gehe.

Im Publikum wurden Stimmen laut, wie wichtig es sei, die Gesellschaft für Menschen mit Behinderungen zu öffnen, durch integrative Schulen, mehr Arbeitsplätze auf dem freien Arbeitsmarkt. Man müsse Vorurteile abbauen und Öffentlichkeitarbeit leisten. Was auch die Teilnehmer der Podiumsdiskussion bejahten, aber darauf hinwiesen, wie schwierig das doch sei, gerade die Vermittlung auf den freien Arbeitsmarkt.

Eine Mutter eines erwachsenen Sohne mit Down-Syndrom warf ein, dass die Gesellschaft nach wie vor Menschen mit Behinderungen diskriminieren und schief angucken würde und ein geschützter Bereich wie Werkstatt und Wohnheim unabdingbar sei. Als behinderter Mensch, gerade mit dem leicht erkennbaren Down-Syndrom, könne man beispielsweise die öffentlichen Verkehrsmittel nicht benutzen.

Es war eine sehr anregende Diskussion, die viele Denkanstöße gab und das bunte Pulikum aus Studenten der Förderpädagogik, betroffenen Eltern und anderen Interessierten sicher mit vielen neuen Einsichten und Anregungen nach Hause entließ.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Besuch des Theaterstücks "ristorante furioso"

Gestern stürmte die Lebenshilfe Leipzig die nato in der Südvorstadt, um das neue Theaterstück der Südstaatler, "ristorante furioso", zu sehen. Mit knapp 70 Leuten aus Wohnheimen, Werkstatt und den Mitgliedern unserer Theatergruppe bildeten wir bei weitem die Mehrheit der Zuschauer im Theatersaal und sorgten mit lauten Lachern für beste Stimmung.

Sie kennen nicht die Südstaatler? Es handelt sich um die Theatertruppe der Diakonie Leipzig, die nun schon seit mehreren Jahren das sozio-kulturelle Zentrum, die nato, als ihren Veranstaltungsort nutzt. Denn die nato liegt mitten in der Stadt und lockt viele Menschen an, vor allem junge Leute und Theatergänger, so auch gestern. Wo viele andere Theatergruppen "integrativ" arbeiten, sind fast alle Schauspieler der "Südstaatler" Menschen mit Behinderung.

Der Rahmen des Stückes: ein kleines Restaurant, in dem eine ältere Frau den Betrieb führt, regelmäßig gestört durch ihre beiden umtriebigen Söhne, die sie gern ins Heim gegeben hätte, aber leider nie los geworden ist. Sie protzen mit ihrer Kraft, zeigen dem Publikum immer neu Kunststückcke und bringen alles durcheinander, was die Mutter schier in die Verzweiflung treibt. Mit wilden Schimpftiraden verfolgt sie ihre Söhne, was die Zuschauer zu Begeisterungsstürmen trieb. Mittendrin sitzt Herr Schneider, an den Rollstuhl gefesselt, und mit immer neuen Getränkewünschen, die ihm niemals erfüllt werden.

Ein wildes Panoptikum an Besuchern bevölkerte nacheinander das Restaurant. Eine aufgedonnerte Sängerin, die selbstverliebt ihre Flyer ins Publikum wirft und mit krächzender Stimme ein Liedchen hervornuschelt. Der Besitzer von Gewandhaus und Oper, der rumprotzt und nach einer Ladung Kokain erstmal seinen ganz persönlichen Film fährt. Eine junge Frau, die einen Einbruch plant. Und eine Frau von der Straße, die vor der Tür Straßenmusik macht und Rosen aus Filz zu verkaufen versucht. Und nicht zuletzt: die Politikerin Angelika von der Märkisch, die für die CDU gegen die Dummheit im Land antritt und von den Restaurantbesuchern ihre Stimmen kassiert.

Eine Persiflage über die skurrilen Gestalten unserer Gesellschaft, die mehr oder weniger gesellschaftsfähig sind, aber dennoch Teil davon. Die selbstverliebten Superstars, die Schwer-erziehbaren und ihre verzweifelten Eltern, die Haie des Kulturbusiness, die Schwerverbrecher und heuchlerischen Politiker.

Gespielt von Menschen mit geistiger Behinderung, die in diesen Rollen eher selten zu finden sind, die ihnen dank der tollen Kostüme aber sehr gut standen und die man ihnen dank ihrer guten schauspielerischen Leistung voll und ganz abnehmen konnte. Ein äußerst interessanter und gelungener Versuch!

Für alle, die neugierig geworden sind. Am 25. und 26.11. um jeweils 18 Uhr wird das Stück nochmal in der nato gezeigt. Es lohnt sich!

Social Day

22. September 2011. Unter dem Motto "Wir leben Verantwortung" engagieren sich Mitarbeiter der Deutschen Telekom in gemeinnützigen Projekten auf vielfältige Weise.

Neben Telefonseelsorge oder als Lebensretter bei der DKMS sind diese Mitarbeiter auch als Helfer mit "Herz und Hand" vor Ort, dort, wo eben Hilfe gebraucht wird.

Der Kontakt der Telekom zur Lebenshilfe Leipzig kam über die Vermittlung der Bundesvereinigung der Lebenshilfe zustande.




11 Telekom-Mitarbeiter (vorwiegend männliche) führten am 22. September 2011 das Projekt für und mit der Lebenshilfe durch. Dabei bewiesen sie ihre handwerklichen Fähigkeiten und pflanzten insgesamt 12 Obstbäume: 6 x Apfel, 2 x Sauerkirsche, 2 x Pflaume und 2 x Reineclauden. Bäume, Pfähle und Erde hatte die Lebenshilfe besorgt, die Pflanzung übernahmen die Mitarbeiter der Telekom. Mit Schippe und Bagger hoben sie Löcher für die Bäume aus und verfüllten sie wieder mit Mutterboden.



Damit die Bäumchen beim Sturm nicht aus der Achse biegen, wurden sie an Pfähle angebunden. Der Zeitpunkt fürs Anpflanzen war optimal, weil die Bäume jetzt noch Zeit haben, Wurzeln auszubilden. Dank der Telekom verfügt die Lebenshilfe nun über eine schöne Obstwiese.

Darüber hinaus wurde das Dach der Finn-Hütte, welches als Garten- und Gerätehaus für den Förder- und Betreuungsbereich und den Berufsbildungsbereich genutzt wird, gedeckt. Die alten Schindeln wurden abgelöst und neue befestigt. Und es wurde angefangen, einen Weg zu befestigen, von der Saalfelder Straße bis zur Finn-Hütte.

Schön war für die Mitarbeiter der Telekom nicht nur, dass für die Lebenshilfe etwas Bleibendes entstanden ist, sondern vor allem der Kontakt zu den Menschen mit Behinderungen aus der Werkstatt, mit denen sie ein Schubkarren-Team bildeten und gemeinsam die Erde für die Baumpflanzung anfuhren.

Nach getaner Arbeit gab es noch ein geselliges Beisammensein am Grill.
Unser herzlicher Dank an alle Helfer, Fortsetzung erwünscht!