
Der Film ist in vielen deutschen Städten im Rahmen des von der Aktion Mensch geförderten Uebermut-Film-Festivals zu sehen. Gestern, am 26. Oktober, lief er hier in Leipzig, in der Kinobar im Prager Frühling .
Der Film ist sehr zu empfehlen. In sehr schönen Bildern zeigt er, wie es zwei Menschen mit Down-Syndrom schaffen, eine Partnerschaft für's Leben eingehen, was immer noch viel zu selten ist.
Interessant ist auch der Einblick in die Familien der beiden. Zu sehen, wie die Eltern sich für ihre Kinder engagieren, ihnen das Glück einer Partnerschaft ermöglichen, ihnen ein rauschendes Hochzeitsfest und alle Annehmlichkeiten eines - in ihrem Falle sogar - luxuriösen Lebens bieten.
Bewegt sieht der Zuschauer, wie glücklich und zufrieden Monica und David sind.
Im Laufe des Filmes erfährt der Zuschauer dann aber auch die Schattenseiten dieses scheinbar so schönen Lebens. Begonnen damit, dass Monica und David gemeinsam mit den Schwiegereltern in die Flitterwochen fahren. Dass sie zwar ein eigenes Appartment beziehen, aber dann doch von der Mutter zum Frühstück geweckt werden und alles vorgesetzt bekommen. Dass sie nicht alleine an den Strand können und keiner regelmäßigen Arbeit nachgehen (dürfen), aus Angst, dass man sie komisch angucken könne.
Sehr offen zeigt der Film, wie es u.a. die Überbehütung durch die Eltern ist, die die beiden daran hindert, auf eigenen Beinen zu stehen. Dass sie noch viel selbständiger sein könnten, wenn man es ihnen zutrauen würde und vor allem - wenn man es zuließe. Und dessen sind sich die Eltern auch bewußt und doch schaffen sie es nicht.
In einer der letzten Szenen erklärt Monicas Stiefvater, wie geschockt er davon war, als sich David fast ohne seine Hilfe Insulin gespritzt hatte. Das hätte er ihm niemals zugetraut.
Im Anschluß an die Vorstellung gab es eine Podiumsdiskussion, moderiert durch Nicole Kreppel vom Institut für Förderpädagogik. Teilnehmer des Podiums waren Sandra Voigt, Leiterin des Ambulant Betreuten Wohnes beim DRK in Geithain, Andre Klose und Jeannette Gauder, Bewohner der Villa am Palmengarten und seit 5 Jahren verlobt, und Amelie Mahlstedt, Mitarbeiterin bei der Lebenshilfe Leipzig und Mutter einer 3-jährigen Tochter mit Down-Syndrom.
Den Teilnehmern des Podiums hatte der Film sehr gut gefallen, vor allem wie gut er die schwierige Gratwanderung zwischen Schutz und Selbstbestimmung gezeigt habe, ohne jedoch eine klare Antwort darauf zu geben.
Frau Voigt und Frau Mahlstedt äußerten sich positiv über das bestehende System der Behindertenhilfe in Deutschland, das Menschen mit Behinderungen vielfältige Möglichkeiten gebe, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, sowohl durch stationäre als auch ambulante Betreuungsformen. Das sei auf jeden Fall einer engen Betreuung durch die Eltern vorzuziehen, die ihr ganzes Leben dem Kind widmeten, bzw. opferten, so wie die Eltern von Monica und David.
Andre Klose und Jeanette Gauder berichteten von ihren Erfahrungen im Zusammenleben im Wohnheim, von ihrem gemeinsamem Zimmer. Davon, wie schwer es den Eltern gefallen sei, sie ausziehen zu lassen und wie gut es ihnen im Wohnheim gehe.
Im Publikum wurden Stimmen laut, wie wichtig es sei, die Gesellschaft für Menschen mit Behinderungen zu öffnen, durch integrative Schulen, mehr Arbeitsplätze auf dem freien Arbeitsmarkt. Man müsse Vorurteile abbauen und Öffentlichkeitarbeit leisten. Was auch die Teilnehmer der Podiumsdiskussion bejahten, aber darauf hinwiesen, wie schwierig das doch sei, gerade die Vermittlung auf den freien Arbeitsmarkt.
Eine Mutter eines erwachsenen Sohne mit Down-Syndrom warf ein, dass die Gesellschaft nach wie vor Menschen mit Behinderungen diskriminieren und schief angucken würde und ein geschützter Bereich wie Werkstatt und Wohnheim unabdingbar sei. Als behinderter Mensch, gerade mit dem leicht erkennbaren Down-Syndrom, könne man beispielsweise die öffentlichen Verkehrsmittel nicht benutzen.
Es war eine sehr anregende Diskussion, die viele Denkanstöße gab und das bunte Pulikum aus Studenten der Förderpädagogik, betroffenen Eltern und anderen Interessierten sicher mit vielen neuen Einsichten und Anregungen nach Hause entließ.
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