Donnerstag, 13. Oktober 2011

Besuch des Theaterstücks "ristorante furioso"

Gestern stürmte die Lebenshilfe Leipzig die nato in der Südvorstadt, um das neue Theaterstück der Südstaatler, "ristorante furioso", zu sehen. Mit knapp 70 Leuten aus Wohnheimen, Werkstatt und den Mitgliedern unserer Theatergruppe bildeten wir bei weitem die Mehrheit der Zuschauer im Theatersaal und sorgten mit lauten Lachern für beste Stimmung.

Sie kennen nicht die Südstaatler? Es handelt sich um die Theatertruppe der Diakonie Leipzig, die nun schon seit mehreren Jahren das sozio-kulturelle Zentrum, die nato, als ihren Veranstaltungsort nutzt. Denn die nato liegt mitten in der Stadt und lockt viele Menschen an, vor allem junge Leute und Theatergänger, so auch gestern. Wo viele andere Theatergruppen "integrativ" arbeiten, sind fast alle Schauspieler der "Südstaatler" Menschen mit Behinderung.

Der Rahmen des Stückes: ein kleines Restaurant, in dem eine ältere Frau den Betrieb führt, regelmäßig gestört durch ihre beiden umtriebigen Söhne, die sie gern ins Heim gegeben hätte, aber leider nie los geworden ist. Sie protzen mit ihrer Kraft, zeigen dem Publikum immer neu Kunststückcke und bringen alles durcheinander, was die Mutter schier in die Verzweiflung treibt. Mit wilden Schimpftiraden verfolgt sie ihre Söhne, was die Zuschauer zu Begeisterungsstürmen trieb. Mittendrin sitzt Herr Schneider, an den Rollstuhl gefesselt, und mit immer neuen Getränkewünschen, die ihm niemals erfüllt werden.

Ein wildes Panoptikum an Besuchern bevölkerte nacheinander das Restaurant. Eine aufgedonnerte Sängerin, die selbstverliebt ihre Flyer ins Publikum wirft und mit krächzender Stimme ein Liedchen hervornuschelt. Der Besitzer von Gewandhaus und Oper, der rumprotzt und nach einer Ladung Kokain erstmal seinen ganz persönlichen Film fährt. Eine junge Frau, die einen Einbruch plant. Und eine Frau von der Straße, die vor der Tür Straßenmusik macht und Rosen aus Filz zu verkaufen versucht. Und nicht zuletzt: die Politikerin Angelika von der Märkisch, die für die CDU gegen die Dummheit im Land antritt und von den Restaurantbesuchern ihre Stimmen kassiert.

Eine Persiflage über die skurrilen Gestalten unserer Gesellschaft, die mehr oder weniger gesellschaftsfähig sind, aber dennoch Teil davon. Die selbstverliebten Superstars, die Schwer-erziehbaren und ihre verzweifelten Eltern, die Haie des Kulturbusiness, die Schwerverbrecher und heuchlerischen Politiker.

Gespielt von Menschen mit geistiger Behinderung, die in diesen Rollen eher selten zu finden sind, die ihnen dank der tollen Kostüme aber sehr gut standen und die man ihnen dank ihrer guten schauspielerischen Leistung voll und ganz abnehmen konnte. Ein äußerst interessanter und gelungener Versuch!

Für alle, die neugierig geworden sind. Am 25. und 26.11. um jeweils 18 Uhr wird das Stück nochmal in der nato gezeigt. Es lohnt sich!

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