Freitag, 18. März 2011

Lesung mit Ilse Achilles

„…und um mich kümmert sich keiner!“. Die Situation der Geschwister behinderter und chronisch kranker Kinder.

Autorin: Annette Rülicke



Wo waren Sie am Freitag, den 18. März 2011 um 19.30 Uhr? Ich kann nur sagen: „Sie haben etwas verpasst!“ In der Frühförderstelle der Lebenshilfe Leipzig fand zu dieser Zeit eine Buchlesung der Autorin Ilse Achilles statt.

Der Raum war gut gefüllt mit interessierten und erwartungsvollen Zuhörern, jeder mit seiner ganz persönlichen Geschichte und damit mit seinen ganz spezifischen Beweggründen, diese Veranstaltung zu besuchen.

Nach einer kurzen Vorstellung ihrer Person (Jahrgang 1941, Journalistin aus München) und der Erklärung ihres Bezuges zu diesem Thema (sie ist Mutter zweier Töchter und eines von Behinderung betroffenen Sohnes) begann die Lesung.

Durch Gespräche mit ihren nunmehr erwachsenen Töchtern zum Nachdenken angeregt, suchte sie immer öfter den Kontakt zu anderen betroffenen Familien, um diese ganz besonderen Geschwisterbeziehungen zu untersuchen.

Wir bekamen einige kleine Einblicke in den Familienalltag verschiedener Familien und mussten feststellen, dass unsere gesunden Kinder mit so manchen Dingen im Umgang mit dem behinderten Bruder / der behinderten Schwester besser zurechtkommen, als wir Eltern. Mit dem betroffenen Geschwister wird gelacht und gestritten, es herrscht ein unbeschwerterer Zugang zum Bruder / zur Schwester. Sehr schön fand ich auch die Aussage, dass die Kinder es schaffen, weniger auf die Defizite zu schauen, mehr auf das, was gut gelingt! In uns Eltern hingegen stecken sehr viele Ängste. Wir leben in einer immerwährenden Besorgnis.

Anderseits machen sich die Geschwisterkinder natürlich auch Gedanken um ihr ganz spezielles Leben als Bruder oder Schwester eines behinderten Menschen, Gedanken, mit denen wir nicht gerechnet hätten…

Die Geschwisterkinder tragen mehr Verantwortung, es wird von Beginn an deutlich mehr von ihnen erwartet als von Gleichaltrigen: Mithilfe im Haushalt, Rücksichtnahme, das Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse und so weiter. Es wunderte daher niemanden, dass Frau Achilles zu dem Schluss kam, dass viele der Geschwisterkinder eine größere persönliche Reife haben als Gleichaltrige.

Ich war sehr bewegt von diesem sehr emotionalen Abend. Das Buch ist Roman, Ratgeber und Lebenshilfe in einem.

Vielen Dank, Frau Achilles.

Die Veranstaltung fand im Rahmen von "Leipzig liest", dem Lesefest der Leipziger Buchmesse, statt. Gefördert wurde die Lesung durch den Freistaat Sachsen, im Rahmen der Richtlinie zur selbstbestimmten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, und durch eine Spende des mdr-Sinfonieorchesters. Wir danken für die großzügige Unterstützung!!!!

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen